Integrationsvorlehren starten erfolgreich

Zum Pilotprogramm "Integrationsvorlehre" liegen erste Erkenntnisse vor: Rund zwei Drittel der Teilnehmenden fanden nach Abschluss der Integrationsvorlehre eine Lehrstelle. Sowohl die Teilnehmenden als auch die Berufsfachschulen und Betriebe sind mit dem Pilotprogramm grösstenteils zufrieden. Zugleich zeigen die ersten Befragungen auf, in welchen Bereichen das Pilotprogramm weiterentwickelt und verbessert werden kann.

18 Kantone nehmen an dem im August 2018 gestarteten, vierjährigen Pilotprogramm "Integrationsvorlehre" (INVOL) teil. Nach dem ersten abgeschlossenen Programmjahr zeichnen die erhobenen Resultate ein positives Bild:

  • Von den mehr als 750 Personen, die im Sommer 2018 ins erste Jahr des INVOL-Pilotprogramms starteten, schlossen 610 die Vorlehre ab. Damit haben vier Fünftel jener Personen, die vor einem Jahr die INVOL angetreten haben, das Pilotprogramm erfolgreich durchlaufen.
  • Von diesen 610 Personen traten rund 75% nach Abschluss der Integrationsvorlehre eine Lehrstelle in der beruflichen Grundbildung an, davon 27% eine EFZ-Berufslehre (Eidg. Fähigkeitszeugnis) und 73% eine EBA-Lehrstelle (Eidg. Berufsattest).
  • Damit fanden in etwa zwei Drittel der im ersten Programmjahr an den Start gegangenen INVOL-Teilnehmenden eine Lehrstelle.
  • Rund 5% der INVOL-Teilnehmenden traten nach dem Abschluss sofort eine Arbeitsstelle an.
  • Weitere besuchten nach der INVOL eine anderweitige Qualifizierungsmassnahme oder verfügten zum Zeitpunkt der Erhebung noch über keine Anschlusslösung.

Dieses Ergebnis ist insbesondere dem Engagement der umsetzenden Programmpartner in den Kantonen, den Berufsfachschulen und Betrieben sowie der Motivation der teilnehmenden Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen zu verdanken. Es bestätigt die inhaltliche und organisatorische Ausrichtung des Pilotprogramms als Vorbereitung für die berufliche Grundbildung.

Rund 19% der Teilnehmenden haben den INVOL-Vorlehrvertrag vorzeitig aufgelöst. Dieser Anteil liegt in der Grössenordnung der Lehrvertragsauflösungsquote in der beruflichen Grundbildung. Die Motive für die Auflösung sind vielfältig: Gesundheitliche Gründe, mangelhafte schulische und sprachliche Kompetenzen, der Wunsch nach einer anderen Qualifizierung oder der Beginn einer regulären, bezahlten Erwerbstätigkeit.

Ausbildungsbetriebe: Chancen bieten und neue Fachkräfte rekrutieren

Nach dem ersten Programmjahr sind das SEM und die Programmpartner bestrebt, die Integrationsvorlehre zu verbessern und sinnvoll weiterzuentwickeln. Hierzu wurden bei der Evaluation die ausbildenden Betriebe, die Berufsfachschulen sowie auch die Teilnehmenden selber befragt. Die Ergebnisse der ersten Befragung zeigen: Die Ausbildungsbetriebe zeigen sich mehrheitlich zufrieden; nur rund 5% jener Betriebe, die im ersten Ausbildungsjahr einen Platz angeboten haben, würden nicht mehr mitmachen. Viele jener Betriebe, die einen INVOL-Ausbildungsplatz anbieten, möchten den geflüchteten Personen eine Chance bieten, im Schweizer Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Viele Betriebe sehen die INVOL aber auch als Instrument zur Rekrutierung künftiger Lernender in EBA- und EFZ-Ausbildungen. Sie gewinnen damit neue Fachkräfte für die jeweilige Branche. Die Motive der Betriebe decken sich damit weitgehend mit der Strategie des Bundesrates, wonach Schweizer Unternehmen so viele Arbeitskräfte wie möglich innerhalb der Schweiz rekrutieren sollen – dazu gehören auch Ausländerinnen und Ausländer, die bereits hier leben.

Verbesserungspotenzial machen die Ausbildungsfachpersonen unter anderem bei der externen Begleitung der Lernenden oder beim Erfahrungsaustausch mit anderen INVOL-Betrieben aus. Die kantonalen Daten zeigen, dass knapp zwei Drittel der INVOL-Lernenden vor Eintritt in die INVOL das Sprachniveau A2 und etwa ein Viertel das Niveau B1 erreichten. Obwohl damit die Aufnahmebedingungen gut erfüllt waren und die Lernenden im Verlauf der INVOL signifikante Fortschritte bei ihren Sprachkompetenzen erzielten, wird das grösste Verbesserungspotential im Bereich der Sprachförderung geortet. Spezifische Angebote im Rahmen der kantonalen Umsetzung der Integrationsagenda (IAS) sollen künftig helfen, die Kandidatinnen und –Kandidaten noch besser auf die INVOL und die Berufsbildung vorzubereiten.

Bundesrat verlängert Pilotprogramm bis 2023/24

Wegen des vielversprechenden Starts entschied der Bundesrat bereits Mitte Mai 2019, das INVOL-Pilotprogramm um zwei Jahre bis ins Ausbildungsjahr 2023/24 zu verlängern und die Integrationsvorlehre ab 2021 auf Jugendliche und junge Erwachsene ausserhalb des Asylbereichs auszuweiten. Im Fokus stehen Personen aus EU-/EFTA- und Drittstaaten im Familiennachzug ohne Sek. II-Abschluss und mit einem potentiellen Sozialhilferisiko. Diesen Entscheid traf der Bundesrat gemeinsam mit sechs weiteren Massnahmen zur verstärkten Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials.

Das Pilotprogramm "Integrationsvorlehre" geht auf einen Beschluss des Bundesrates im Dezember 2015 zurück. Er hat zum Ziel, die berufliche Integration anerkannter Flüchtlinge und vorläufig aufgenommener Personen nachhaltig zu verbessern. Mit einjährigen Integrationsvorlehren (INVOL) sollten diese Menschen zur Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung berufsspezifische Sprachkenntnisse erwerben, die Regeln des Schweizer Arbeitsmarktes kennenlernen und sich die notwendigen schulischen sowie erste berufliche Kenntnisse aneignen.

Letzte Änderung 12.11.2019

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